Komplementärmedizin › Neuraltherapie
Unter Neuraltherapie versteht man den Einsatz von Lokalanästhetika an bestimmten Punkten, bestimmten Nervengeflechten oder Nervensträngen, mit dem Ziel, einen über die Dauer des Pharmakons hinausgehenden Effekt zu erzielen.
In den 50er Jahren hat schon Westhues mit einer umfassenden Arbeit über die Heilanästhesie in der Tiermedizin das Tor zur Neuraltherapie bei Tieren geöffnet. Seit 1956 hat sich Univ. Prof. Dr. Oswald Kothbauer sehr intensiv mit Neuraltherapie beschäftigt und diese Therapieform als Universitätsfach etabliert. Heutzutage ist Dr. Andreas Zohmann als einer der erfahrensten Neuraltherapeuten und Neuraltherapie-Ausbilder in der Tiermdizin anzusehen.
Bei der Neuraltherapie handelt sich um zwei wichtige Bestandteile:
1. Innersegmentale Verschaltungen (Abb. 1)
Abb. 1: Die Dermatome des Pferdes von lateral
d.h. die Verschaltung von Hautsegment (= Dermatom) (Abb. 2), Muskel (= Myotom), Nerv (= Neurotom), Gefäß (= Angiotom), Eingeweide (=Viszerotom) und Knochen (= Sklerotom) innerhalb eines Segmentes, wobei die Störung des Einen immer einen Effekt auf alle zugehörigen Segmentanteile ausübt.
Abb. 2: Der segmentalreflektorische Komplex (SRK) nach Bergsmann und Eder - Verschaltung der einzelnen Strukturanteile des Metamers. modifiziert nach Hansen und Schliack
So manifestiert sich z.B. die Irritation eines inneren Organs (Viszerotom) unter anderem als Turgorerhöhung der Haut, welche palpatorisch als Verquellung einen wichtigen diagnostischen Hinweis gibt.
Umgekehrt können nun auch therapeutisch über einen Segmentanteil alle anderen mit beeinflusst werden.
2. Störfelder
Störfelddignostik und –therapie erlauben in der Neuraltherapie oft die kausale Behandlung von therapieresistenten Erkrankungen chronischer Natur.
Störfelder, deren Diagnostik bei langem Zurückliegen ihrer Entstehung zuweilen und gerade in der Tiermedizin schwierig sein kann, sind z.B. Zahngranulome, rezidivierende Ohrentzündung, Narben etc.
Dadurch wird ein Körperquadrant, eine Körperhälfte bis hin zum Gesamtorganismus in ein Stadium der Anfälligkeit versetzt.
Eine Zusatzbelastung (auch „Zweitschlag“ genannt) des Organismus kann nun in der Lage sein, in einer fernab vom primären Störfeld gelegenen Körperregion eine funktionelle Störung zu erzeugen. Diese kann bei längerem Andauern durch Selbstaufschaukelungsprozesse autonom werden, d.h. zu einer eigenständigen Erkrankung werden, die meist sehr schwierig bis nicht behandelbar ist, wenn nicht das primäre Störfeld erkannt und ausgeschaltet wird.
Dies kann in der Neuraltherapie durch wiederholte Behandlungen in diesem Bereich erreicht werden und so zu dauerhaften Therapieerfolgen führen.
Therapietechniken
Nach einer gründlichen Erhebung des Vorberichts und einer genauen Diagnosestellen wird vom Therapeuten die Art der Neuraltherapie festgelegt.
Je nach Lage und Umfang der Diagnose kommt eine oder mehrere der folgenden „neuralen“ Therapieformen zur Anwendung:
Intrakutane Hautquaddel (Abb. 3), intramuskuläre Infiltration, intraartikuläre Injektion, Infiltration eines Akupunkturpunktes, Techniken am Nervensystem: Nervenblockade, Blockade eines Nervengeflechtes (z.B. Paracervikalblockade, Parasakralanästhesie), Blockade eines Nervenstranges (z.B. Blockade des lumbalen Grenzstranges), Blockade eines Ganglions (z.B. Ganglion Stellatum-Blockade).
Abb. 3: Die Quaddel
Quellennachweis
Zohmann Andreas, Kasper Markus: Neuraltherapie in der Veterinärmedizin: Grundlagen-Diagnose-Therapie; Hannover: Schlütersche, 1994
Zohmann Andreas: Einführung in die Veterinär-Neuraltherapie; DVD; www.video-commerz.de

